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Lehrlingsausbildung kostet Geld und Zeit – warum Betriebe trotzdem investieren (Warum Ausbilden #2)
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5Bernd Bach: Lehrlingsausbildung ist nicht immer ganz einfach

Lehrlingsausbildung kostet Geld und Zeit – warum B…

Lehrlingsausbildung kostet Geld und Zeit – warum Betriebe trotzdem investieren (Warum Ausbilden #2)

Lehrlinge auzubilden kostet Geld, Zeit und persönliche Betreuung. Warum entscheiden sich Pflastererbetriebe trotzdem dafür? Bernd Bach, Berufsgruppensprecher aus der Steiermark spricht offen über den Aufwand – und darüber, was daraus entstehen kann.
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Ein Pflasterer-Lehrling kostet Geld, Zeit und Aufmerksamkeit. Gerade kleinere Betriebe überlegen deshalb sehr genau, ob sie ausbilden sollen. Denn ein Lehrling läuft nicht einfach nebenher: Er braucht Anleitung, Rückmeldung und erfahrene Mitarbeiter, die ihr Wissen weitergeben.
Gleichzeitig stehen viele Pflastererbetriebe vor einem anderen Problem: Gute Fachkräfte sind schwer zu finden. Wer langfristig nicht ausschließlich darauf angewiesen sein möchte, fertige Mitarbeiter am Arbeitsmarkt zu finden, muss deshalb auch darüber nachdenken, selbst Nachwuchs auszubilden.

Bernd Bach, Landesgruppensprecher der Pflasterer in der Steiermark, kennt beide Seiten. Er erzählt, warum Ausbildung nicht immer einfach ist – und weshalb er Betrieben trotzdem empfiehlt, Lehrlinge aufzunehmen.

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Bernd Bach: Lehrlingsausbildung kostet Geld und Zeit – warum Betriebe trotzdem investieren

Ein Lehrling ist keine billige Arbeitskraft

Ein Lehrling ist vom ersten Arbeitstag an keine zusätzliche Fachkraft. Das soll er auch nicht sein. Einen Pflastererlehrling auszubilden bedeutet, einem jungen Menschen einen Beruf beizubringen. Arbeitsschritte, praktisches und theoretisches Wissen müssen erklärt, gezeigt und kontrolliert werden. Fragen gehören genauso dazu wie Fehler. Gerade am Anfang braucht ein Lehrling deshalb wesentlich mehr Begleitung als ein erfahrener Mitarbeiter.

Wer einen Lehrling ausschließlich danach beurteilt, wie viel Arbeitsleistung er heute auf der Baustelle erbringt, setzt daher den falschen Maßstab an. Der Betrieb kauft mit einem Lehrling keine fertige Arbeitsleistung ein, sondern er beginnt damit, eine zukünftige Fachkraft auszubilden.

Was kostet Ausbildung eigentlich?

Wenn Betriebe davon sprechen, dass ein Lehrling „kostet“, geht es nicht nur um das Lehrlingseinkommen. Ausbildung beansprucht mehrere Ressourcen im Betrieb.

  • Sie kostet Geld, weil der Lehrling selbstverständlich entlohnt wird.
  • Sie kostet Zeit, weil ein erfahrener Mitarbeiter, der Ausbilder oder der Unternehmer selbst erklären, zeigen und begleiten muss.
  • Sie braucht Aufmerksamkeit, weil ein junger Mensch nicht vom ersten Tag an alle Abläufe kennt und selbstständig arbeiten kann.
  • Und sie verlangt Geduld, weil Entwicklung nicht geradlinig verläuft.

Bernd Bach beschreibt Lehrlinge im Interview als „ungeschliffene Diamanten“. Gerade junge Menschen befinden sich noch in einer Phase, in der sie sich persönlich und beruflich entwickeln. Wer sie ausbildet, muss sich deshalb auch mit ihnen beschäftigen. Genau darin liegt aber gleichzeitig der Sinn der Ausbildung. Aus dem Anfänger soll mit der Zeit jemand werden, der das Handwerk beherrscht.

Kosten oder Investition?

Ob etwas nur als Kosten oder als Investition betrachtet wird, hängt vor allem vom Zeithorizont ab.

  • Bei einer kurzfristigen Ausgabe stellt sich die Frage: Was bekomme ich heute dafür?
  • Bei einer Investition lautet die Frage dagegen: Was soll daraus in Zukunft entstehen?

Betriebe investieren beispielsweise in Maschinen, Weiterbildung oder neue Arbeitsabläufe, weil sie sich davon langfristig einen Nutzen erwarten. Der Effekt muss nicht am selben Tag sichtbar sein. Bei der Ausbildung ist es ähnlich. Der Betrieb investiert heute: Zeit, Wissen, Erfahrung und Geld mit dem Ziel, dass daraus später eine qualifizierte Fachkraft entsteht. Der Aufwand fällt dabei besonders am Anfang auf. Die Entwicklung des Lehrlings braucht dagegen Zeit.

Nicht auszubilden kostet ebenfalls

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Lehrling wird häufig nur eine Seite betrachtet: Was kostet mich die Ausbildung?
Die Alternative lautet aber nicht automatisch: Kein Lehrling = keine Kosten.

Denn wenn ein Betrieb künftig zusätzliche Fachkräfte benötigt, müssen diese irgendwo herkommen. Wer nicht selbst ausbildet, ist darauf angewiesen, dass genügend fertige Pflasterer am Arbeitsmarkt verfügbar sind – und dass andere Betriebe diese zuvor ausgebildet haben. Damit entsteht eine andere unternehmerische Frage:Was kostet es einen Betrieb, wenn er die benötigte Fachkraft gar nicht findet?
Vielleicht können Aufträge nicht angenommen werden. Vielleicht müssen bestehende Mitarbeiter zusätzliche Arbeit übernehmen. Vielleicht dauert die Personalsuche Monate.
Die konkreten Auswirkungen unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb. Der entscheidende Punkt bleibt jedoch gleich: Auch der Verzicht auf Ausbildung kann langfristige Folgen haben.

Der Nutzen entsteht nicht am ersten Tag

Im Interview spricht Bernd Bach offen darüber, dass Ausbildung nicht immer einfach ist. Seine „ungeschliffenen Diamanten“ brauchen Betreuung. Sie müssen lernen, Erfahrungen sammeln und mit der Zeit Verantwortung übernehmen. Genau deshalb sollte der Nutzen eines Lehrlings nicht am ersten Arbeitstag oder nach den Kosten bzw. Aufwand beurteilt werden. Die Entwicklung passiert Schritt für Schritt. Aus einem Jugendlichen, dem anfangs vieles gezeigt werden muss, kann über die Ausbildungszeit eine junge Fachkraft werden.

Bernd berichtet auch davon, dass sein Betrieb ehemalige Lehrlinge übernommen hat und heute froh darüber ist, dass sie im Unternehmen geblieben sind. Das zeigt sehr gut, wie unterschiedlich sich Aufwand und Nutzen zeitlich verteilen können: Die Investition beginnt sofort. Das Ergebnis entsteht mit der Zeit.

Ausbildung ist eine Personalentscheidung

Am Ende geht es deshalb nicht nur um die Frage: „Was kostet mich ein Lehrling?“
Für einen Betrieb, der langfristig Fachkräfte benötigt, ist eine andere Frage mindestens genauso wichtig: Wie möchte ich meinen zukünftigen Personalbedarf decken?

Natürlich kann ein Unternehmen versuchen, bei Bedarf fertige Fachkräfte einzustellen. Es kann aber zusätzlich selbst dazu beitragen, dass neue Fachkräfte entstehen. Lehrlingsausbildung ist deshalb nicht nur eine Ausbildungsentscheidung. Sie ist auch ein Teil langfristiger Personalplanung. Das bedeutet nicht, dass die Entscheidung für jeden Betrieb einfach ist. Aber wer Ausbildung ausschließlich als kurzfristigen Kostenfaktor betrachtet, sieht nur einen Teil der Rechnung.

Warum also trotzdem Lehrlinge ausbilden?

  • Weil Fachkräfte nicht von selbst entstehen.
  • Weil ein Betrieb durch Ausbildung seinen eigenen Nachwuchs mitentwickeln kann.
  • Und weil aus einem jungen Menschen, der am Anfang noch viel Unterstützung braucht, mit der Zeit eine qualifizierte Fachkraft werden kann.

Bernd Bach bringt dabei einen wichtigen Punkt auf den Boden der Praxis: Ausbildung ist nicht immer einfach. Man muss sich um junge Menschen kümmern, ihnen etwas zeigen und ihnen Zeit geben. Aber genau daraus kann etwas entstehen. Ausbildung kostet. Sie schafft aber gleichzeitig die Voraussetzung dafür, dass es morgen überhaupt neue Fachkräfte gibt.

Und wenn der Lehrling danach geht?

Damit bleibt allerdings eine der größten Sorgen vieler Ausbildungsbetriebe offen:
Was passiert, wenn ein Betrieb mehrere Jahre Zeit, Wissen und Geld investiert – und die ausgebildete Fachkraft anschließend zu einem anderen Unternehmen wechselt?

Eine Garantie, dass ein Lehrling nach seiner Ausbildung im Betrieb bleibt, gibt es nicht.
Genau darum geht es im nächsten Teil unserer Serie:

Drei Jahre ausbilden – und dann geht er?

Teil 1 verpasst?

Zum Auftakt unserer Serie ging es um die zentrale Frage: Woher kommen die Fachkräfte von morgen?

Richard Michels aus Salzburg erzählt, warum Betriebe heute ausbilden müssen, wenn sie morgen auf qualifizierte Pflasterer zurückgreifen wollen.

→ Teil 1 ansehen: Wer morgen Fachkräfte braucht, muss heute ausbilden